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FGK - Familien-Gruppen-Konferenz

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 10 Familien-Gruppen-Konferenzen durchgeführt. Dabei war jedoch ein Rückgang der Aufträge durch das Jugendamt Mainz zu verzeichnen, die 7 Konferenzen in Auftrag geben, 4 weniger als im Vorjahr. Das Kreisjugendamt Mainz-Bingen gab 1 Konferenz in Auftrag. 2 Konferenzen wurden im Rahmen des Modellprojektes FGK als Entlassungsvorbereitung durchgeführt. Gerade das Modellprojekt sorgte dafür, dass die geringere Zahl an Jugendhilfe-Fällen ausgeglichen werden konnte.

Die gesunkenen Zahlen sind eigentlich nur durch den Personalwechsel innerhalb des Jugendamtes Mainz zu erklären. Die Zustimmung zu dem Konzept ist in regelmäßigen Gesprächen mit den Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen ungebrochen. Auch in Teamsitzung wird die Möglichkeit einer Familien-Gruppen-Konferenz regelmäßig besprochen.

Weshalb es trotzdem nicht zumindest zu einem Halten des Fallniveaus gekommen ist wird zu besprechen sein. Um die Möglichkeiten der FGK im Bereich der Familiengerichtsbarkeit deutlich zu machen fanden verschiedene Besprechungen mit den Familienrichtern/-richterinnen in Mainz, Bingen und Bad Sobernheim statt. Parallel dazu erfolgte die Teilnahme an 2 Teamsitzungen des ASD des Kreisjugendamtes Mainz-Bingen, sowie der dortigen Jugendgerichtshilfe.

Im Februar 2016 erhielt die Opfer- und Täterhilfe e.V. die Zusage der Aktion Mensch, das beantragte Modellprojekt Entlassungsvorbereitung mit Hilfe der Familien-Gruppen-Konferenz insbesondere für Inhaftierte mit Migrationshintergrund für einen Zeitraum von 3 Jahren zu finanzieren. Kooperationspartner ist der Verein MigraMundi e.V. in Wiesbaden. In der Folge konnten mit den Justizvollzugsanstalten Rohrbach und Wiesbaden, sowie der Jugendstrafanstalt Schifferstadt konkrete Schritte zur Umsetzung des Projektes besprochen werden. Daraus resultierten 2 Familien-Gruppen-Konferenzen, die in 2016 abgeschossen werden konnten. Eine Konferenz endete mit einem Treffen der Familien und ihren Unterstützern, die zweite Konferenz endete mit einem Plan, den die Familie während der Vorbereitung der Konferenz bereits selbst erarbeitete.

Nach den vorbereitenden Gesprächen mit der Jugend- und Drogenberatungsstelle Brücke e.V. konnte die Familien-Gruppen-Konferenz im Rehabilitationszentrum Donnersberg in Kirchheimbolanden vorgestellt und dort mit der Leitung diskutiert werden. Darüber hinaus besteht Kontakt zum Therapiezentrum Villa Lilly in Bad Schwalbach. Beide Einrichtungen sind interessiert, an dem Konzept zu arbeiten und gegebenenfalls Fälle zu erproben, die sich u.a. durch eine geeignete räumliche Nähe der Patienten zum Rhein-Main-Gebiet anbieten. Auf der Grundlage der Gespräche mit den Einrichtungen konnte ein erster Konzeptentwurf an die Stiftung Suchthilfe übermittelt werden.

Mit dem Pfälzischen Verein für soziale Rechtspflege Vorderpfalz e.V. in Ludwigshafen wurde in 2016 eine schriftliche Vereinbarung über die Implementierung von Familien-Gruppen-Konferenz getroffen. Der Fachbereich FGK der Opfer- und Täterhilfe e.V. übernimmt die Aufbauhilfe und die Ausbildung der Bürgerkoordinatoren für den dortigen Verein und stellt diese Leistung erstmalig einer Institution in Rechnung. Ziel ist es, für den Fachbereich des Pfälzischen Vereins Ludwigshafen bis Ende 2017 eine ausgebildete Gruppe von Bürgerkoordinatoren aufzubauen und Aufträge aus der Jugendhilfe zu generieren.

Darüber hinaus bietet der Fachbereich an der Katholischen Hochschule Mainz im Studiengang Soziale Arbeit pro Semester ein Seminar zur Familien-Gruppen-Konferenz an. In 2016 würden folglich zwei Seminare abgehalten. Inhalt des Seminars ist die Geschichte der Familien-Gruppen-Konferenz, deren Ausgestaltung in Deutschland insbesondere bei der Opfer- und Täterhilfe e.V. und Fallbeispiele aus der Praxis. Ziel ist es, die Familien-Gruppen-Konferenz möglichst frühzeitig bei den Studierenden bekannt und für spätere Arbeitsfelder interessant zu machen.

Ein Blick in die Evaluation seit 2012
Seit 2012 wurden 46 Konferenzen in Auftrag gegeben, die alle aktuell abgeschlossen sind.
Von den 46 Konferenzen wurden
35 Konferenzen mit einem Plan beendet, zwei ohne Familienzeit
3 Fälle vor dem Konferenztermin abgebrochen
8 Fälle bereits frühzeitig nach der Übernahme beendetDas bedeutet, dass es in 70 % der Fälle zu einer Lösung im und mit dem familiären bzw. sozialen Netzwerk der Betroffenen gekommen ist.

Anlass/Thema der abgeschlossenen Konferenzen:
18 Fälle Sonst. erzieherische Fragen/Überforderung
17 Fälle Inobhutnahme wg. Gefährdung des Kindeswohls
4 Fälle Straffälligkeit
4 Fälle Entlassungsvorbereitung JVA
2 Fälle Rückführung aus stat. Einrichtung
1 Fall Schulische Probleme

Fall-/Konferenzmerkmale
Alter der Kinder 1 – 19 Jahren
45% männlich und 55% weiblich
60% deutsch, 40% anderer kultureller Hintergrund
4 Fälle mit Mindestanforderung des Jugendamtes zum Kinderschutz
durchschn. 7 Teilnehmer, zuzüglich 2,6 Fachleute
durchschn. Dauer der Konferenz: 2,9 Stunden
Vorbereitungszeitraum zwischen 3 und 14 Wochen, durchschn. 7,3 Wochen

Besonders erfreulich ist, dass die Mehrheit der Beteiligten, nämlich
96 % (72 von 75 Befragten) mit dem Plan zufrieden sind und
91 % (62 von 68 Befragten) anderen Familien eine Familien-Gruppen-Konferenz empfehlen würden


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